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Handwerkszeug für guten Unterricht




Lernen mit Computer und Internet


Es gibt in der Schule prinzipiell vier Anwendungsbereiche für Computer und Internet:

Die Recherche: Die Schüler machen sich selbst schlau über top-aktuelle Informationen im Internet oder über (Multimedia-) Enzyklopädien wie Encarta. Genau wie im Umgang mit gedruckten Informationen gehört dazu auch die Qualitäts-Beurteilung der verwendeten Quellen.


Die Dokumentation, Produktion und Präsentation
von Arbeitsergebnissen: Computer und das Internet bieten eine Fülle von Möglichkeiten, Arbeitsergebnisse (z.B. die Ergebnisse einer Recherche) professionell auszuwerten, zu dokumentieren und zu präsentieren. Bei allen Verlockungen, die multimediale und interaktive Präsentationen bieten, bei allem Spaß, den die Schüler bei der Produktion solcher Präsentationen haben: Im Unterricht bleibt es dabei: Inhalt vor Form! Die neuartige, witzige, aufwändige, faszinierende Präsentation, die sich immer häufiger mit professionellen Ergebnissen ohne Weiteres messen kann, hat in erster Linie „dienende“ Funktion! Das heißt: Die Form der Dokumentation oder Präsentation nützt dafür, den Inhalt besser, dauerhafter, anschaulicher, motivierender „rüberzubringen“! Lieber also eine langweilige, unaufwändige Präsentation mit einem relevanten, zum Nachdenken anregenden Inhalt als letztlich substanzlose, formal aufwändige „Schaumschlägerei“!

Computer und Internet können dabei behilflich sein, eindrucksvolle Produkte sowohl in gedruckter Form (als Broschüren, Zeitungen, Poster), als Folienpräsentationen, als Websites, als Audio- und Videoproduktionen zu erstellen. Über die Arbeit an den Inhalten solcher Produktionen können die Schüler den selbstverständlichen Umgang mit Computern, den erforderlichen Programmen und dem Internet, z.T. sogar „by the way“ oder „on the job“ erlernen.

Zur Kommunikation mit anderen: Das Versenden von E-Mails, selbst das Chatten kann einfach nur witziger Zeitvertreib sein, in der Schule kann der schnelle Austausch von Informationen und Daten per E-Mail (und sogar per Chat) untereinander oder auch zwischen Lehrer und Schüler die Qualität der Arbeit an gemeinsamen Projekten nicht nur erleichtern, sondern auch verbessern. Dazu gehört insbesondere das Ablegen von Arbeitsergebnissen auf Dateiablagen (Servern), die allen Mitgliedern einer Arbeitsgruppe zugänglich sind.

Zum Üben und Wiederholen (Training) / Simulationen mit spezieller Lernsoftware. Dazu gehören beispielsweise Vokabeltrainer, (spielerische) Rechen- oder Rechtschreibtrainings ebenso wie Simulationen, die beispielsweise im Geschichts- oder Politikunterricht Anwendung finden (z.B. Sim City). Diese Einsatzform ähnelt am meisten dem traditionellen Unterricht, vor allem deshalb, weil hier „didaktisierte“ Materialien zum Einsatz kommen. Es gibt mittlerweile einen riesigen Markt für derartige „Lernsoftware“, die meistens auch zum spielerischen Üben und Wiederholen zu Hause verwendet wird. Die Qualität solcher Programme lässt sehr oft zu wünschen übrig. Sie unterscheidet sich manchmal wenig von einem grafisch „aufgemotzten“ „Türmchenrechnen“. Der Haupteinsatzort bleibt (wie übrigens auch von den meisten Anbietern intendiert) der häusliche PC.

Selbstständig lernen mit Medien


Die zeitgemäßeste und wohl erfolgreichste Form des selbstständigen Lernens ist die Arbeit mit Computer und im Internet. Insbesondere die Beispiele der selbstständigen Arbeit mit Notebooks im Unterricht zeigen, dass das Lernen auf diese Weise wirklich eine neue Dimension erhält, weil in keiner anderen Lernform die Schülerinnen und Schüler das Lernen wirklich so deutlich zu ihrer Sache machen, weil sie nirgendwo sonst stärker bestimmen, was und wie sie lernen und dabei zugleich häufig eindrucksvolle Ergebnisse produzieren. Das selbstständige Lernen mit Notebooks wird Schule und Unterricht drastisch verändern. Schüler, die weitgehend selbstständig Themen beispielsweise im Internet recherchieren und Ergebnisse und Produkte mit Hilfe der neuen Medien präsentieren, machen die traditionelle Beibring- und Belehrungsschule quasi von selbst überflüssig. Lehrerinnen und Lehrer sind in dieser neuen Schule nicht überflüssig; aber ihre Rolle und Aufgaben wandeln sich enorm. Und auch dieses geschieht fast von selbst – ob man es nun will oder nicht!

Für das Lernen mit Computer und Internet gilt in erster Linie: Beides sind hilfreiche Werkzeuge, um besser und mehr lernen zu können! Sie sind nicht Selbstzweck: „Technology should be there to enhance not to replace.” (Thomas Mayton; Littlerock High School, Kalifornien) Sie „entsinnlichen“ das Lernen genauso wenig wie sie es „vereinzeln“, sie „berieseln“ Schüler nicht und schaffen nicht das (Nach-) denken ab. Sie sind ganz einfach Werkzeuge für besseres und effizientes Lernen, so wie beispielsweise ein Notizblock, ein Dictionary, ein Lexikon, eine Lernkartei. Ein Computer beinhaltet u.a. diese Einzelwerkzeuge in einer besonderes effizienten Form (die beispielsweise den Austausch mit anderen sehr erleichtert) – und noch sehr viele sinnvolle Funktionen mehr.

Neues Lernen

Je mehr Computer und Internetanschlüsse zur Verfügung stehen – bis hin zu persönlichen Notebooks mit eigenem drahtlosem Internetzugang – umso stärker verändert sich auch das Lernen: Frontaler, „belehrender“ Unterricht, in dem alle Schüler zur gleichen Zeit dasselbe lernen (müssen), funktioniert nicht mehr! Stattdessen lernen die Schüler zunehmend nach ihren eigenen Interessen, dem eigenen Tempo und immer häufiger an der echten Realität als an didaktisch aufbereiteten (zubereiteten) Materialien. In „Notebookklassen“ – in Deutschland wie in den USA – bildet das „gute, alte“ Projektlernen einen neuen und wesentlichen methodischen Schwerpunkt. Keine andere Form des selbstständigen Lernens hat den Unterricht so dramatisch und nachhaltig verändert wie das Lernen mit Notebooks im Klassenraum – und das ganz ohne „theoretischen Überbau“ und ohne Ideologie. Das Lernen mit Computer und Internet – vor allem das Lernen mit Notebooks – verändert den Unterricht, ob man will oder nicht. Es erfordert dann von Seiten der Lehrer schon besondere Anstrengungen, alle Schüler an derselben Leine zu halten, beispielsweise, indem man ihnen ausschließlich erlaubt, bestimmte Lernsoftware zum Üben und Wiederholen zu verwenden, und das nach Möglichkeit im Gleichschritt!

Wer allerdings seine Schüler beispielsweise im Internet recherchieren und sie Ergebnisse der Recherche dokumentieren sowie präsentieren lässt und ihnen dabei kompetenter Ansprechpartner, Berater und Helfer ist, weiß, wovon die Rede ist, wenn das Paradigma des „Lernens mit Neuen Medien“ sich in der bildungspolitischen Diskussion zum „Neuen Lernen mit Medien“ wandelt.

„Neues Lernen“ bedeutet: Schüler als Subjekte des Lernens ernst nehmen, sie lernen zu lassen, statt sie zu belehren, weg von der „Beibring- und Belehrungsdidaktik“, hin zu einem „learning on demand“. Die Computer und das Internet als notwendige Werkzeuge auf dem Weg dorthin.

Wie verändert das Lernen mit Computer und Internet den Unterricht?

Lehrerinnen und Lehrer lernen gemeinsam mit ihren Schülern. Dazu brauchen sie eine Haltung, sich selbst als Lernende und nicht ausschließlich als besser Wissende „Beibringer“ zu verstehen. Sie werden von „Informations-Lieferanten“ zu "Lernhelfern". („You're never too old to learn and they're never too young to teach you.“ Annette Bitter; Alta Sierra Middle School, Clovis, Kalifornien.)Der Lehrer wird der „Modell-Lerner“ für seine Schüler.Eine neue Kultur im Umgang mit Fehlern entsteht: strg + z , den „Rückgängig“-Knopf – englisch "undo" – drücken und es noch einmal versuchen!Kooperative Formen von Textüberarbeitung und -verbesserungen sind ein Leichtes geworden.In Schulen mit einer „bildungsfernen“ Elternschaft, beispielsweise in Harlem, New York City, zeigte sich u.a.: Der häusliche Fernsehkonsum der Schüler verringert sich signifikant; es gibt deutliche Steigerungen der Anwesenheit in der Schule und der Leseleistungen; in den Familien und unter den Familien wurde mehr gesprochen Die Schüler haben deutliche Startvorteile bei Bewerbungen um Praktikums- und Ausbildungsplätze.Die Schüler arbeiten häufiger mit anderen zusammen. Das Lernen mit Notebooks erhöht das Selbstwertgefühl der Schüler. Das gilt ganz besonders für Mädchen, die Computer-Experten werden.Es wird mehr geschrieben.Die Schüler recherchieren in echten Quellen – nicht in didaktisierten Materialien.Die Schüler recherchieren in wirklich aktuellen Quellen – nicht in häufig viele Jahre alten Schulbüchern. Das hat höchste Bedeutung vor allem im historisch-sozialwissenschaftlichen Bereich.Die Schüler sind bereiter, Verantwortung zu übernehmen – nicht zuletzt für ihr Notebook.Die Schüler agieren als Lehrer ("peer teaching").Die Selbstreflexion und Selbstbewertung der Schüler verbessert sich: Nicht „das habe ich gemacht“, sondern „das habe ich gelernt“.Es wird im und am wirklichen Leben gelernt.Die Schüler benutzen dieselben Werkzeuge wie im wirklichen Leben: zum Forschen (mit Zugang zu den Daten und Fakten des „echten Lebens“), Denken, Handeln.

Welches Basis-Know-How brauchen Lehrer zum Umgang mit Computer und Internet?

Um die Möglichkeiten des Lernens mit Computer und Internet zu Qualitätsverbesserung ihres Unterrichts nutzen zu können, müssen Lehrer über eine Reihe von Basisqualifikationen im Umgang mit Computer und Internet verfügen. Natürlich können und sollen die besonderen Kompetenzen einzelner Schüler in diesem Bereich genutzt werden. Der Lehrer muss aber die wichtigsten Funktionen eines PCs, der wichtigsten Software und des Internets sicher und routiniert beherrschen. Ihm fehlt es sonst einerseits an der erforderlichen Fantasie, um die Technik wirklich sinnvoll für guten Unterricht zu nutzen. Andererseits muss er als kompetenter Berater und Lernbegleiter seiner Schüler auch in der Lage sein, Fragen seiner Schüler, die sich auf die Grundfunktionen der Technik beziehen, sicher, schnell und kompetent zu beantworten.

Die Schüler müssen – genau wie der Lehrer – über das grundlegende Know How in der Benutzung der Computer, der Software und des Internets verfügen. Dazu gehören beispielsweise:

Wissen, wie und wo Ergebnisse gespeichert werden - lokal (auf dem eigenen Computer) oder online (persönliche oder gemeinsame Online-Dateiablagen).Erweiterte Kenntnisse des Strukturierens, Benennens und Zippens von Dateien und OrdnernGrundkenntnisse der wichtigsten Funktionen von Textbearbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogrammen mit geeigneten Office-Anwendungen (Microsoft Office, OpenOffice, GoogleDocs…)Grundkenntnisse der Bildbearbeitung und geeigneter ProgrammeErweiterte Kenntnisse der Arbeit mit Netzwerken, Plattformen, Wikis, Blogs.Kenntnis der Funktionen und Möglichkeiten sozialer Netzwerke („Web 2.0“)Kenntnis professioneller Suchfunktionen (lokal und online) Kenntnisse der in der Schule verwendeten Lern-, Übungs- und ggf. Simulationsprogramme.

Es würde der Grundidee des „Neuen Lernens“ zuwider laufen, diese Kenntnisse im Gleichschritt frontal „einzuführen“. Wie auch bei anderen Unterrichtsinhalten hat sich darüber hinaus gezeigt, dass die „Halbwertzeit“ solchermaßen vermittelter Kenntnisse extrem kurz ist, zumeist gerade bis zum nächsten Test vorhält. Sinnvoller und vor allem dauerhafter ist es, wenn sich die Schüler nach einer sehr kurzen Basiseinführung in die Grundprinzipien des jeweiligen Programms über das projektartige Bearbeiten inhaltlicher Aufgaben die jeweils erforderlichen Kenntnisse gewissermaßen „on demand“ selbst „beibringen“. Dazu müssen Online-Hilfen und Arbeitsblätter zur Verfügung stehen und natürlich kompetente Mitschüler und Lehrer, bei denen man in einzelnen Situationen nachfragen kann.


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(c) Thomas Unruh - www.guterunterricht.de